Vielen Dank Sarotti-Mohr!
Wer Deutschland schon in der Wirtschaftswunder-Phase erleben durfte, erinnert sich an diesen Werbe-Refrain: „Vielen Dank singt man im Chor, vielen Dank Sarotti-Mohr“. Das ist Geschichte. Denn dunkelhäutige Menschen mit dem Begriff Mohr zu belegen, ist nicht mehr politisch korrekt. Es gilt, vorzugsweise bei den Gutmenschen, als rassistisch.
Womit wir zum zweiten Mal bei den Ethnophaulismen wären, wie die – tatsächlich oder vermeintlich – abwertenden Bezeichnungen für ein Volk, eine Nation oder eine Landsmannschaft genannt werden. Franzosen sagen Boches zu uns? Geschenkt. Amerikaner haben uns Krauts genannt? Auch geschenkt. Da sollten wir großzügig sein.
Aber wie ist das mit Wörtern wie Tschusch oder Kaffer?
Nun, Tschusch ist im oberösterreichischen Deutsch die umgangssprachliche Bezeichnung für einen Slawen, Südeuropäer oder Orientalen. Und weil Tschusch als abfällig gilt, wurden schon 1973 in Österreich Plakate aufgehängt, auf denen nur ein Satz stand: „I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogns’ zu dir Tschusch?
Woher der Ausdruck kommt, ist umstritten. Eine Version: Tschusch wird von Tschausch abgeleitet, das türkischen Ursprungs ist und im osmanischen Reich für Unteroffizier oder Leibgardist stand. Eine andere Version erinnert an die Jahre 1860 bis 1880, als im Reich der Habsburger die Süd-Eisenbahnstrecke gebaut wurde und sich südslawische Arbeiter immer wieder den Imperativ des tschujesch ausgesprochenen Wortes für „hören“ zuriefen – frei übersetzt also „Hörst!“.
Und Kaffer?
Auch dieses Wort hat einen Bedeutungswandel hinter sich. Zunächst wurde es von den Arabern verwendet, bei denen Kafir schlicht Ungläubiger heißt. Erst während der Kolonialisierung und der Apartheid in Südafrika wandelte sich der Begriff zum Schimpfwort. Weshalb er inzwischen in Südafrika und Namibia als hate speach (Hassrede) verboten ist.
Gewandelt hat sich auch die Bezeichnung für Menschen islamischen Glaubens. Der Muselmane mutierte zum Mohammedaner, der wieder zum Moslem. Und aus dem Moslem wurde zuletzt der Muslim. Das geschah etwa zu jener Zeit, als sich der Box-Weltmeister Cassius Marcellus Clay in Muhammad Ali umbenannte.
Um Ordnung in das Ganze zu bringen: Mohammedaner war ein von Europäern geprägter Begriff für die Anhänger Mohammeds. Muslime lehnen dieses Wort ab, da der Prophet zwar verehrt wird, aber nicht den Stellenwert hat, den Jesus Christus bei den Christen genießt. Muselmane, oder kurz Musel, ist das inzwischen veraltete Wort, mit dem sich die Muslime selbst bezeichneten. Aktuell und als politisch korrekt akzeptiert ist inzwischen nur noch Muslim, ein arabisches Wort, das „der sich Unterwerfende“ bedeutet – unterwerfend im Hinblick auf Gott.
Ist das Wort Zigeuner ein Ethnophaulismus? Klare Antwort der Sinti und Roma: Ja! Die jenische Bevölkerungsgruppe hingegen nennt sich selbst so. Begründung: Sinti und Roma sind nur ein Teil der großen Gemeinschaft der Zigeuner. Wer soll da noch durchblicken?
Zurück zum Sarotti-Mohr. War die Werbekampagne mit dieser Figur rassistisch? Bestimmt nicht. Wäre es so, müssten wir auch den großen William Shakespeare verdammen, dem wir das großartige Theaterstück „Othello, der Mohr von Venedig“ verdanken. Ideengeber im Fall Sarotti-Mohr war der recht profane Umstand, dass die als „Confiseur-Waaren-Handlung Felix & Sarotti“ gegründete Firma gegen Ende des 19. Jahrhunderts in die Berliner Mohrenstraße verlegt wurde. Von politischer Unkorrektheit kann also keine Rede sein. Aber in Zeiten der political correctness wurden die Sarotti-Leute übervorsichtig. 2004 gestalteten sie den Auftritt ihrer Produkte neu. Seither trägt die legendäre Werbefigur kein Tablett mehr – was sie ja als Diener diskreditieren könnte. Und sie heißt auch nicht mehr Sarotti-Mohr, sondern „Sarotti-Magier der Sinne“.
Wohl bekomm’s! Ihr Klaus Kresse
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