Taschenrechner – der beste Prüfer Ihrer Texte
Ob Sie’s glauben oder nicht: Ihr Taschenrechner kann prüfen, ob Sie gut schreiben. Oder zumindest verständlich.
„Wenn wir etwas mit Mühe lesen, so ist der Autor gescheitert.“ So einfach ist das. Und so erklärt der Erfolgsautor Jorge Luis Borges mit wenigen Worten, was einen guten Text ausmacht.
Aber was, bitte, ist verständlich? Kann ich das prüfen? Oder vielleicht sogar messen?
Ja, Sie können. Die einfachste Prüfung: Sie lassen Ihren Text gegenlesen. Am besten von jemandem, der vom Thema keine Ahnung hat. Wenn dieser Gegenleser an einer Stelle hängen bleibt, haben Sie etwas falsch gemacht. Schlimmer noch, wenn er eine Passage zweimal lesen muss. Dann gibt es nur eine Konsequenz: neu schreiben!
Und wie ist das mit dem Messen?
Das funktioniert tatsächlich. Denn dafür gibt es den Lesbarkeitsindex. Will heißen: Sie können einen Taschenrechner auf Ihre Texte loslassen. Denn der ist unbestechlich. Und er prüft gnadenlos.
Um genau zu sein: Es gibt nicht nur einen Lesbarkeitsindex, sondern mehrere. Claus Wagner aus Stuttgart, ein Experte für die so genannte Content Usability, kann sie aufsagen wie ein Gedicht. Und Wikipedia führt sie unter dem Stichwort „Leserbarkeitsindex“ alle auf: zum Beispiel die Wiener Sachtextformel. Im Internet steht auch, wie jeder Index tickt: Immer wird etwas gezählt. Immer steckt eine Formel dahinter. Das ist Mathematik pur. Ideal für den Taschenrechner.
Bei der Wiener Sachtextformel etwa wird addiert, multipliziert und abgezogen. Da geht es um die mittlere Satzlänge. Um den Anteil von Wörtern mit nur zwei oder drei Silben. Um den Anteil ganz kurzer Wörter mit einer Silbe. Und um die Zahl von Wörtern mit mehr als sechs Buchstaben. Das alles geschüttelt und gerührt gibt Antwort auf die Frage: Welchen Bildungsgrad benötige ich, um den Text zu verstehen?
Wenn Sie gerade keinen Taschenrechner zu Hand haben, gehen Sie ins Internet. Auf www.stilversprechend.de können Sie Ihre Texte prüfen lassen. Das geht ratz-fatz. Und kostet nichts. Selbst die Texte von Websites können Sie hier abklopfen.
Aber Vorsicht! Das Ergebnis ist manchmal bitter. Vor allem die umständlichen Formulierer müssen da ganz stark sein. Denn bei diesem Test wird kein Auge zugedrückt.
Übrigens: Dieser Text hier kommt auf den Wert 73. Das bedeutet „ziemlich einfach“. 60 bis 70 wäre ein ordentlicher Mittelwert. Werte unter 30 sind lausig. Und Texte mit einer Note besser 90 sind sehr leicht verständlich. Probieren Sie es einfach mal.
Herzlichst
Ihr Klaus Kresse
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Diesem Text hätte ich mindestens 90 Punkte gegeben. Meine künftigen Schreiben und Stellungnahmen werde ich testen. Wird das Minimalziel von 40 nicht erreicht, muss vereinfacht werden. Jedenfalls muss mein Wert deutlich besser sein, als das zugrunde liegende Steuergesetz nebst Rechtsprechung. Will ich mit einem Text anderen etwas mitteilen, muss das auch ankommen!
Vielen Dank Herr Kresse für diesen "Sprachsalat".
Alexander Schneider