Nonsens von ganz oben

Ich muss Abbitte leisten. Ich habe Ärzte und Juristen wegen ihrer oft gestelzten Formulierungen kritisiert. Ich habe das schwülstige Politiker-Deutsch angeprangert. Ich habe über die Formulierungen aus deutschen Amtsstuben gespottet („Die Betischung und Bestuhlung der fußläufigen Innenstadtzone“). Aber ich habe die Augen verschlossen vor den Sünden einer ganz besonderen Spezies.

Flash ist Pflicht!

Nein, die Rede ist nicht von den Fotografen, die zu Modeaufnahmen in eine Kiesgrube fahren und dann überschwänglich schwadronieren, sie seien jetzt „auf location“. Ich spreche auch nicht über die Fernseh-Schaffenden, die für ihre „neue Staffel zum Casting“ einladen.

Heute haben wir jene gesellschaftliche Gruppe im Blick, die Günter Ogger sehr abfällig „Nieten in Nadelstreifen“ genannt hat.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Hier geht es nicht um die vielen mittelständischen Unternehmer, die auf dem Boden geblieben sind und sich einfach um ihr Geschäft kümmern. Hier geht es um die smarten Karrieristen, die nur in Quartalszahlen denken, beim Thema Profit vor allem ihren eigenen meinen und bei jedem Meeting (Besprechungen sind ja altmodisch) viel heiße Luft verströmen.

In der neuesten Ausgabe der „Sprachnachrichten“ des Vereins Deutsche Sprache findet sich dazu der treffende Beitrag „Nonsens aus der Chefetage“. Was mit Nonsens gemeint ist, zeigt dieses abschreckende Beispiel aus der Welt des Management-Neusprechs: „ Wir realisieren nachhaltige Projekte, implementieren Prozesse und heben eine Vielzahl von Synergien. Unsere Tools basieren auf einem Netzwerk von Applikationen. Wir bündeln unsere Kernkompetenzen und generieren neue Umsatzpotenziale. Unser Portfolio besteht aus internationalen Aktivitäten. Wir arbeiten absolut kapitalmarktorientiert.“ Fehlt nur noch, dass der Mensch im Mittelpunkt steht (wo sonst?) und Preise nie angehoben, sondern nur optimiert werden.

Stellen Sie sich nur vor, wie Sie über Ihren Bäcker denken würden, wenn der plötzlich verlauten ließe: „Mein USP ist die Erzeugung von Backwaren in einem schwierigen Umfeld.“ Oder ob Sie es begrüßten, würde Ihr Metzger schwärmen: „Der Fokus unseres Doings liegt auf der Implementierung einer neuen Gewürzmischung, mit der wir Landjäger generieren, die einfach outstanding sind.“Übrigens, bevor ich es vergesse: Experten zufolge beläuft sich der Schaden, der in unserer Wirtschaft jedes Jahr durch unverständliche Texte entsteht, auf eine Milliarde Euro. Aber was soll’s? In der Welt das Shareholder Value sind das ja nur Peanuts.

Herzlichst, Ihr Klaus Kresse

 



R.Schapiro schrieb am 06.08.2009 08:06

Tja, diesen Schwachsinn bekommt man allenthalben aufgetischt; die Prospekte von Banken und Fondsgesellschaften sind ein ähnlicher Quell der Freude.

Allerdings ist wohl niemand davor gefeit, siehe Sprachsalat 08/09: "Killen sie die unmöglichen Tüttelchen". Der Überschrift des betreffenden Artikels nachempfunden:

Killen? Um Himmels Willen!

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