Deutsch contra Mehlwürmer

Hand aufs Herz: Sind Sie Demokrat? – Bevor Sie antworten: Lesen Sie diese Sprach-Kolumne. Denn in der aktuellen Folge unternehmen wir einen Ausflug in die Niederungen der Politik. Konkret: Wir beschäftigen uns mit dem Antrag des CDU-Landesverbands Saar, wonach der Grundgesetz-Artikel 22 um diese Passage ergänzt werden soll: „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch.“

Gehört so etwas ins Grundgesetz?

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Hören Sie doch mal rein


Zunächst einmal ist dieses Ansinnen nicht neu. Der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) fordert schon seit Jahren, unserer deutschen Sprache Verfassungsrang zu geben. Der VDS-Vorsitzende Professor Walter Krämer nennt dafür auch einen Grund, über den zumindest nachzudenken wäre. „Dies erhöht das Ansehen unseres wichtigsten Kulturguts“, sagt er.
Nicht nur in der CDU wird darüber nachgedacht. Auch SPD-Politiker treibt die Sorge um das Deutsche um. Torsten Hilse etwa, der für die Sozialdemokraten im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. Er hatte verlangt, in der Berliner Landesverfassung Deutsch als Landessprache festschreiben zu lassen.
Nochmals also die Frage: Gehört der Schutz unserer Sprache ins Grundgesetz?
Fahne. Hymne. Sprache. Sobald es um nationale Symbole geht (oder zu gehen scheint), ist das Echo vielstimmig.
Die einen – wie etwa Bundestagspräsident Lammert von der CDU – verweisen darauf, dass 17 der 27 EU-Staaten ihrer Sprache Verfassungsrang gegeben haben und Deutschland unter den drei deutschsprachigen Ländern das einzige sei, das Deutsch nicht in die Verfassung aufgenommen habe.
Die anderen – wie etwa Grünen-Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn – sieht „das Miteinander unterschiedlicher Kulturen in Deutschland gefährdet“ und urteilt daher: „Das passt nicht zu uns!“
Und dann natürlich die Kommentare vom Spielfeldrand. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland nennt das Vorhaben „lächerlich und kleinlich“.
Wenn es um den Tierschutz geht, also auch den Schutz von Mehlwürmern und Wühlmäusen, sind die Kritiker nicht so zimperlich. Um so verwunderlicher, wenn unsere Sprache so gering geschätzt wird. Schließlich lehrt ein Blick in die Geschichtsbücher, dass sie das einzige ist, was Schwaben und Sachsen, Badener und Westfalen, Holsteiner und Bayern zu einer Nation macht.
Was mich betrifft: Ich meine, dass zu viel Staatsnähe unserer Sprache nicht immer gut tut. Zum Beispiel dann, wenn wir uns jahrelang mit einer staatlich verordneten Rechtschreibreform quälen, die wenig besser, aber vieles schlechter macht. Dennoch – als überzeugter Demokrat muss ich es akzeptieren, dass einer „Spiegel“-Umfrage von 2006 zufolge eine satte Mehrheit von fast 80 Prozent wünscht, Deutsch solle als Staatssprache im Grundgesetz festgeschrieben werden. Und dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Punkt.

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